1. Was bedeutet das Wort MS?
MS ist die Abkürzung für Multiple- Sklerose. Multiple kommt aus dem lateinischen von multiplex und bedeutet vielfach. Sklerose kommt aus dem griechischen und bedeutet: spröde oder hart. Ein anderes Wort für MS lautet Encephalomyelitis disseminata.
" Encephalon = Gehirn
" Myelon = Rückenmark
" -itis = Entzündung
" disseminata = weit verstreut
Zusammen ergibt diese Übersetzung dann. weit verstreute Entzündungen im Gehirn und Rückenmark.
2. Was ist jetzt MS?
Es ist eine chronisch (anhaltend) entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystem (ZNS). Zum ZNS gehören das Rückenmark und das Gehirn mit der Unterteilung in Groß-, Kleingehirn und dem sogenannten Gehirnstamm. Ms ist eine Autoimmunerkrankung (Autoagressionskrankheit). Hierbei richtet sich das Immunsystem des Körpers gegen die eigenen Substanzen, in diesem Fall gegen das Myelin. Myelin ist ein aus Fetten bestehender Mantel (Hüll- und Isoliersubstanz), der die Nervenfasern schützend umhüllt. Bei der MS also greift der Körper diesen Schutzmantel an und zerstört ihn zum Teil.
3. Was passiert bei MS?
Wer nicht krank ist, denkt selten über so alltägliche Dinge nach wie: gehen/laufen, essen/trinken, sprechen etc. Doch wer MS hat, merkt oftmals, dass diese Verrichtungen einen komplizierten Mechanismus im Körper unterliegen. Wie schon beschrieben, greift der Körper die Nervenschutzschicht (Myelin) an. Das Myelin ist für eine ungestörte Weiterleitung von elektrischen Impulsen verantwortlich, wodurch die ebengenannten Verrichtungen (ohne darüber nachzudenken) erledigt werden können. Bei dieser Erkrankung wir die zerstörte Myelinschicht narbig umgebaut. Das heißt, es kommt zu "Kurzschlüssen" bei der Übertragung der Impulse (mal klappt's mal nicht).
4. Wie entsteht MS?
Über die genaue Entstehung streiten sich noch die Geister. Diskutiert werden:
" Umwelteinflüsse (?)
" Virusinfektionen (?)
" Müssen mehrere Faktoren zusammentreffen (?)
Genaues weiß anscheinend noch niemand.
5. Ist MS erblich?
Im üblichen Sinne der Vererbungslehre nicht. Es gibt Vermutungen, dass die Bereitschaft zur Erkrankung weitergegeben wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass Jemand der die Bereitschaft vererbt bekommen hat auch erkrankt. Also noch mal: keine Vererbung.
6. Was ist MS nicht?
" tödlich
" ansteckend
" erblich
" heilbar (bis jetzt nicht)
" Muskelschwund
" eine Geisteskrankheit
Ebenso wenig steht die Abkürzung in diesem Fall für Mutterschiff oder das gleichnamige Autokennzeichen.
7. Welche Altersgruppen sind betroffen?
Darüber gibt es in der Literatur verschiedene Angaben. Die Erkrankung tritt zwischen dem 15. Lebensjahr und dem 50. Lj. auf. Ebenso findet man auch die Angaben, dass sie zwischen dem20. Lj. und 40. Lj. auftritt. Bekannt ist aber auch, dass Kinder unter 15 und Erwachsene über 50 erkranken können. Frauen erkranken häufiger als Männer (3:2).
8. Welche Symptome (Begleiterscheinungen) können auftreten?
Unser Körper besteht aus einem riesigen Nervengeflecht. Das heißt. es gibt mindestens 192 Nervenbahnen. Bei einigen findet nochmals eine Teilung in zwei oder drei verschiedene Bahnen statt. Die Nerven selbst bestehen nochmals aus Milliarden von Nervenzellen. Bei dieser gigantische Anzahl können anscheinend alle nur erdenklichen Symptome auftreten. Keine Angst, keiner kann alle eventuellen Symptome kennen lernen.
Also, was kann auftreten oder tritt gehäuft auf?
Hier einige Beispiele:
" Müdigkeit
" Gefühlsstörungen (Blase, Darm, Arme, Beine etc.)
" Unsicherheiten beim Gehen, Stehen und Greifen.
" Tremor (d. h. unwillkürliches Zittern der Arme und Beine).
" Sprachstörungen (Lallen etc.)
" Hör- und Gleichgewichtsstörungen
" Sehstörungen (Milchglas-, Schleier- oder Verschwommensehen etc.
" Lähmungen
Bei jedem wird sich die Erkrankung anders bemerkbar gemacht haben. Egal welche/s Symptom/e aufgetreten ist/sind, es kann sich alles zurückbilden. Das nennt man dann Remission. Wenn Symptome wieder auftreten oder neue hinzukommen, spricht man von einem Schub. Ein Schub ist nicht zu verwechseln mit einer Schublade, in welcher unangenehme/störende Dinge verstaut werden. Bei allem, was du jetzt gelesen hast gilt: kann sein, muss aber nicht sein. Also nicht den Kopf in den Sand stecken. Eins gilt für die MS auf jeden Fall. Egal, ob bleibende Schädigungen (sichtbar oder unsichtbar) vorhanden sind, es gibt nichts, wofür wir uns schämen müssten. Es gibt auch keinen Grund sich zu verstecken oder "einzuigeln" (außer für die sog. Pausen mit sich selbst).
9. Was sollte man noch wissen?
Wichtig ist, dass Stress (egal in welcher Form) neue Beschwerden auslösen oder alte wieder aufleben lassen kann. Ein gesundes Maß an Stress ist trotzdem für viele notwendig (lebenswichtig?). Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass man (vielleicht) nicht mehr ganz so belastbar ist. Jeder muss sein eigenes Maß herausfinden, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Die gewünschten Ziele sollten nicht mehr ganz so hoch gesteckt werden (damit man sie auch erreichen kann). Wer öfter/dauernd müde ist hat das Recht (die Pflicht), sich und seinem Körper etwas mehr Ruhe zu gönnen. Ich weiß, dass es nicht immer möglich ist. Aber niemandem ist geholfen, wenn man sich selbst ständig nur fordert. Also immer schön mit der Ruhe. Die Arbeit (auch Hausarbeit, Auto waschen, bügeln etc.) läuft (leider) nicht davon. . Auch intensive, direkte Sonnenbestrahlung kann eine Schub auslösen. Hier gilt wieder: das richtige Maß für sich selbst herauszufinden. Bei einer Erkrankung der oberen Atemwege (klingt gut, bedeutet aber "nur" eine Erkältung/Grippe) kann es zu einer Verschlechterung oder einem Neuauftreten von Beschwerden kommen. Diese klingen aber im allgemeinen mit der Erkältung auch wieder ab. Das selbe kann bei einem zu heißem Bad passieren (ich aber mag kein kaltes Wasser) oder bei einem Saunabesuch. Wenn man all diese Dinge weiß, kann man sich darauf einstellen.
10. Impfungen bei MS
Bei Impfungen soll/muss darauf geachtet werden, dass bestimmte Impfstoffe tabu sind. Darunter fallen Impfungen gegen Pocken (wird aber auch bei nichterkrankten nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt) und gegen die Kinderlähmung (Polio). Soll eine Reise in einem Land mit Malariarisiko (Übertragung durch Anophelesmücke) stattfinden, bitte vor der "Impfung" den Arzt über die Erkrankung informieren. Es kann dann entschieden, ob eine "Impfung" sinnvoll ist oder nicht. Die sonst "üblichen" Impfungen gegen Wundstarrkrampf (Tetanus), Röteln, Hepatitis B, /Tollwut und Gelbfieber/ soll in einer möglichst stabilen Krankheitsphase, also nicht während oder kurz nach einen Schub, durchgeführt werden. Nun noch kurz eine Erklärung, warum keine Impfung gegen Pocken oder Polio stattfinden soll. Bei diesen Impfungen werden abgeschwächte, Vieren verabreicht. Das nennt man auch aktive Immunisierung. Diese Vieren haben ihre natürliche Aktivität beibehalten. Sie können also eine Schub auslösen.
11. Was ändert sich z. B. in der Familie und Beruf?
Vor allem die Familie, aber auch Freunde, werden sich an evtl. Veränderungen gewöhnen müssen. Auch wer sonst vielleicht die "Alleinherrschaft über z. B. den Haushalt, die Autopflege oder sonstiges hatte, sollte sich damit abfinden, dass diese Zeit (evtl.) vorbeiist ("wir müssen alle teilen"). Denn ab jetzt muss mit den Kraftreserven gehaushaltet werden (also doch wieder der "Haushalt"). jeder muss selbst entscheiden, ob eine Aufgabenverteilung stattfindet. Keine Scheu Familie und Freunde um Unterstützung zu bitten. Spontanausflüge können sich anfangs schwierig gestalten. Die von MS- Betroffenen meist geäußerte Frage lautet nämlich: "Wo sind hier die Toiletten." Familie/Freunde werden sic wohl damit abfinden müssen, dass Betroffene die Toiletten/Häuschen in näherer und weiterer Umgebung bald in- und auswendig kennen. Die "Dackelblase" sollte, wie vieles andere auch, mit Humor getragen werden. Grundsätzlich ist erlaubt, was Spaß macht.
12. Beruf
Bitte nicht zu sehr unter Druck setzen/lassen. Es gibt keine Orden für "Raubbau" am eigenen Körper. Wer mag, kann Kollegen/-innen erklären, warum manches (evtl.) nicht mehr so konzentriert oder schnell "von der Hand" geht. Wenn möglich öfter eine Pause machen. Dies darf aber nicht heißen, dass diese Erkrankung für "faules Fieber" vorgeschoben wird.